Seit einigen Jahren entwickelt sich still und heimlich, neben dem dominanten amerikanischen Whiskymarkt, im benachbarten Kanada ein ebenso international geschätzter Whiskymarkt. Im Vergleich zu seinem amerikanischen Pendant steht der kanadische Whisky diesem auch um nichts nach. Ganz im Gegenteil!

Die besondere Leichtigkeit des Seins

Der Charakter von kanadischem Whisky zeichnet sich durch seine besondere aromatische Leichtigkeit aus.

Im Vergleich zu anderen Herkunftsländern gibt es in Kanada im Allgemeinen kaum regionale Unterschiede in Bezug auf das Aroma eines Whiskys. Einige kanadische Whiskys unterscheiden sich aromatisch sehr stark voneinander, jedoch können diese Unterschiede nicht auf typische Merkmale von Regionen zurückgeführt werden.

Betrachtet man die Topografie des Landes näher, so fällt sofort auf, dass in Kanada überall kristallklares und reines Wasser zu finden ist. Der Anbau von Getreide ist landesweit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Kombiniert man nun diese beiden Eigenschaften, so erhält man die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Whiskyproduktion.

kanadischer Whisky klares Wasser
Kanada ist bekannt für seine kristallklaren Gewässer

Die kurze Geschichte des kanadischen Whiskys

Die geschichtliche Entwicklung des kanadischen Whiskys unterscheidet sich nur wenig von der Whiskygeschichte der USA (siehe Whiskey aus den USA).

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kamen schottische und irische Immigranten über die USA nach Kanada. Sie siedelten sich um die großen Seen von Ontario und Quebec an. Dort errichteten sie mit ihrem Wissen aus ihrer früheren Heimat die ersten Whiskybrennereien. Die Seen lieferten kristallklares, reines Wasser und die Siedler begannen in großen Mengen Getreide anzubauen. Unter diesen idealen Bedingungen begann sich eine landesweite Herstellung von Whisky zu etablieren.

Bereits kurze Zeit später gab es in Kanada an die 200 verschiedenen Whiskybrennereien.

Versorgungshilfe

Der herausstehendste Unterschied zur amerikanischen Whiskygeschichte, ist sicherlich die Rolle Kanadas während der Prohibition. Das flächendeckende Alkoholverbot wurde nur in den USA umgesetzt. Die Kanadier weigerten sich ein solches Gesetz zu verabschieden. In Kanada war daher der Handel mit Whisky gesetzlich nicht verboten.

Viele kanadische Whiskyhändler sahen darin ein gutes Geschäft und begannen illegal Whisky in die USA zu importieren. Entweder wurde selber geschmuggelt oder man belieferte amerikanische Schmuggler an der Grenze.

Unter diesem Aspekt war Kanada ein großer ökonomischer Profiteur des Alkoholverbots in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die USA litten bis dahin nicht nur finanziell unter dieser ablehnenden Haltung des Kongresses.

Nach dem Ende der Prohibition 1933 hatten sich die kanadischen Whiskymarken bereits stark am amerikanischen Whiskymarkt positioniert und konnte dort ihre Marktmacht weiter ausbauen. Noch heute wird in den USA selbst mehr kanadischer Whisky getrunken als Tennessee oder Bourbon Whiskey.

Kanada ist heute mit 200 Millionen produzierten Flaschen pro Jahr drittgrößter Whiskyhersteller der Welt.

Kanadischer Whisky und seine Charaktereigenschaften

Auch wenn kanadischer Whisky keine regionalen Unterschiede kennt, so unterscheidet er sich doch sehr stark von Whiskys aus anderen Herkunftsländern.

Manche mögen ihm eine Ähnlichkeit zu Scotch oder Bourbon nachsagen, doch in Wahrheit kann kanadischer Whisky als ein eigenes Whiskyschwergewicht mit speziellen Eigenschaften angesehen werden.

Kanadischer Whisky muss ebenso einer gesetzlichen Definition entsprechen um sich Canadian Whisky zu nennen. So muss er in Kanada destilliert und abgefüllt werden. Gesetzliche Vorgaben zum verwendeten Getreide besteht nicht.

Gewöhnlich wird Mais und Roggen zur Herstellung verwendet. Außerdem muss der Whisky in Holzfässern mit maximal 700 Litern Fassungsvermögen gelagert werden. Eine Vorschrift, welche Art von Fässern verwendet werden muss, besteht nicht.
(Für mehr Informationen zu den verschiedenen Fässern klicken Sie hier: Fässer und Lagerung)

Kanadischer Whisky zeichnet sich durch seine besondere Leichtigkeit im Geschmack aus. Er wird daher auch gerne an warmen Sommertagen oder als Aperitif getrunken. Er kann dabei ebenso fruchtige wie blumige Aromanoten zum Vorschein bringen.

Rauchige Whiskys sind in Kanada seltener zu finden. Exportschlager sind kanadische Blended Whiskys.