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Irland blickt auf eine ebenso bewegte Whiskeygeschichte wie Schottland zurück. Auch wenn sich irischer Whiskey und Scotch Whisky in der Herstellung nur gering unterscheiden, so unterscheidet sich der Charakter der beiden Whiskeyländer doch stark voneinander.

Den ersten charakterlichen Unterschied findet man schon bei der Schreibweise. In Irland wird Whiskey mit „e“ geschrieben, während man in Schottland Whisky puristisch auf das „e“ verzichtet. Amerikanische Whiskeyhersteller folgen heute der irischen Schreibweise. Japanische, kanadische und europäische Produzenten bezeichnen ihren Whisky nach der schottischen Schreibweise.

The Whisky Press wird sich bei der Erstellung von Artikeln immer an der Schreibweise des jeweiligen Herkunftslandes orientieren.

Die Whiskeygeschichte Irlands

Irland beansprucht den Titel als Whiskeyerfinder für sich. Whiskeyexperten sind sich einig, dass dieser ursprünglich aus Irland kommt. Von Historikern ist dies jedoch bis heute nicht bewiesen worden.

Als das irische Parlament im Jahr 1661 eine immens hohe Whiskeysteuer einführte um den übermäßigen Alkoholkonsum der Gesellschaft in den Griff zu bekommen, wurde der offizielle Handel mit irischem Whiskey zunehmend unattraktiv. So wurde Whiskey ab dann hauptsächlich schwarz gebrannt und an der Steuerbehörde vorbei geschmuggelt.

Erst 1823 wurde die Besteuerung von Whiskey wieder gelockert und der Weg zur legalen Whiskeyproduktion geebnet. Allerdings benötigten Whiskeybrennereien ab sofort eine Brennlizenz.

Whiskeyboom

Der leichte unverkennbare Charakter des irischen Whiskey kam in der Gesellschaft gut an und so begann die Whiskeyproduktion in Irland zu florieren. Ein wahrer Whiskeyboom entwickelte sich.

Im frühen 19. Jahrhundert wurde Irland zum größten Whiskeyproduzenten in Großbritannien. Wenig später wurde Irland sogar zum größten Whiskeyhersteller der Welt. Die bekanntesten Whiskeybrenner dieser Zeit waren John und William Jameson.

Zusammenbruch der Whiskeyindustrie

Der Einbruch der irischen Whiskeyproduktion war das Ergebnis mehrerer aufeinanderfolgender Faktoren.

Das erste Anzeichen für einen Niedergang war die Entwicklung einer Gegenbewegung um 1838, die sich für eine komplette Abstinenz der irischen Gesellschaft einsetzte.  Beinahe zur selben Zeit lies sich der Ire Aeneas Coffey sein Verfahren zur kontinuierlichen Destillation patentieren und revolutionierte damit die Herstellung von Grain Whiskey. Diese Art der Destillation wird heute noch als Coffey Still bezeichnet.

Obwohl Coffey selbst Ire war, verhalf seine Erfindung eher den schottischen Whiskyherstellern als seinen eigenen Landsleuten. Grain Whiskey war Hauptbestandteil der schottischen Blended Whiskys, die zu dieser Zeit gerade einen Aufschwung erlebten.

Die Produktion des Blended Scotch Whiskys war damit erheblich günstiger und die Blends zunehmend leichter als Whiskeys aus den schweren Brennblasen aus Kupfer. Die schottischen Blends wurden immer populärer und vertrieben die irischen Whiskeys von der Spitze des Weltmarkts.

Ab 1920 wurde in den USA die Prohibition beschlossen. (Siehe Die Welt des amerikanischen Whiskeys)
Bis dahin waren die Vereinigten Staaten einer der größten Abnehmer von irischem Whiskey. Im Gegensatz zu den schottischen oder kanadischen Whiskyherstellern waren die irischen Whiskeybrennereien gesetzestreu und enthielten sich der illegalen Einfuhr von Whiskey in die USA.

Dies führte dazu, dass der irische Whiskey vom amerikanischen Markt verschwand und den irischen Whiskeyherstellern massive Umsatzeinbußen bescherte. Von diesem Einbruch erholte sich die Whiskeyindustrie in Irland auch nach dem Ende der Prohibition nicht mehr.

Der irische Whiskeymarkt leidet bis heute an diesem Einbruch. Langsam aber sicher beginnt sich irischer Whiskey wieder zurück an die Weltspitze zu kämpfen. Konkurrenz aus Japan und Kanada haben einen Boom um irischen Whiskey bis dato jedoch verhindert beziehungsweise erschwert.

Schafe Irland whiskey
Schafe auf den typisch grünen Weiden Irlands

Der Charakter des irischen Whiskeys

Irischer Whiskey ist, im Vergleich zu den eher schweren und komplexen schottischen Whiskys, für seine besondere Milde bekannt. Sein besonders leichter und milder Charakter machten den irischen Whiskey auf der ganzen Welt bekannt und berühmt.

Diese charakterliche Besonderheit geht im Wesentlichen auf drei Hauptcharakteristika bei der Herstellung zurück.

Erstens wird während des Produktionsschritts des Einmaischens nicht nur Gerstenmalz verwendet, sondern auch ungemälzte Gerste hinzugefügt. Die irischen Urväter des Whiskys haben damit aus der Not eine Tugend gemacht. Zu Zeiten der englischen Besatzung wurde eine hohe Malzsteuer eingeführt.

Zweites Charakteristikum ist die dreifache Destillation des Whiskeys. Das dreimalige Durchlaufen eines Brennvorgangs ist ebenfalls bekannt aus der Produktion von Lowland Whiskys, wie zum Beispiel der Whiskybrennerei Auchentoshan. (Siehe auch Whisky aus Schottland). Durch den vermehrten Kontakt des Destillats mit Kupfer werden unerwünschte Bitterstoffe und Verunreinigungen herausgefiltert.

Abgesehen von dem dreimaligen Durchlauf des Destillats sind irische Brennblasen um einiges größer als schottische Brennblasen. Das bedeutet, der Whiskey hat mehr Kontakt zum reinigenden Kupfer.  Das Verfahren der dreifachen Destillation ist bei irischen Whiskeybrennereien heute mehr oder weniger als Markenzeichen verbreitet und verleiht dem Whiskey seinen einzigartigen Charakter.

Die dritte Besonderheit besteht darin, dass bei der Trocknung auf kein Feuer aus Torf zurückgegriffen wird. Die gekeimte Gerste wird traditionell über Holz oder Holzkohle getrocknet. Dadurch erhält der Whiskey keine oder nur sehr dezente aromatische Rauchnoten. Die Trocknung des Malzes durch Torfrauch wird heute nur mehr bei sehr vereinzelten Abfüllungen, wie zum Beispiel Connemara aus der Brennerei Cooley.

Temple Bar Dublin
Die berühmte Temple Bar in Dublin, immer einen Besuch für ein Glas guten Whiskey wert

Gibt es in Irland unterschiedliche Regionen für Whiskey?

In Irland wird Whiskey, anders als in Schottland, weniger seinen Herkunftsregionen zugeordnet, sondern eher nach seinen charakterlichen Eigenschaften und Aromen unterschieden.

So können im Wesentlichen drei unterschiedliche Charaktertypen differenziert werden:

Der weiche Charakter

Zur ersten Kategorie gehören definitiv ganz besonders weiche und milde Whiskeys. Sie sind besonders leicht zu genießen und verursachen ein wohliges und angenehmes Gaumengefühl. Gerade leichte Blends und fruchtigen Single Malts können an dieser Stelle dem Whiskeyeinsteiger besonders ans Herz gelegt werden. Vertreter dieses Charakters sind die Abfüllungen der Whiskeybrennereien Jameson, Old-Bushmill, Killbeggan oder Tyrconnell.

Der experimentelle Charakter 

Diesem Charakter sind besonders die moderneren und experimentierfreudigeren Whiskeyabfüllungen zuzuordnen. Sie sind meist untypisch rauchig und torfig. Insgesamt wirken sie kräftig und komplex. Viele Whiskeyeinsteiger kommen mit zu komplexen oder rauchigen Aromen besonders am Anfang schwieriger zu recht. Dementsprechend eignen sich Whiskeys mit experimentellem Charakter eher für erfahrenere Gaumen.Die bekannteste Abfüllung dieses Charakters ist definitiv der Connemara der Cooley Brennerei.

Der würzige Charakter 

Whiskeys mit würzigem Charakter sind in ihrer Aromastruktur sehr komplex und weisen auch schon ein gewisses Alter auf. Sie unterscheiden sich deutlich von den anderen beiden Kategorien. Sie sind meist vollmundig, schwer und ölig. Man merkt ihnen sofort ihre komplexe Struktur und die deutliche Gewürznote an.

Typisch für Whiskeys dieses Charakters ist die Mischung aus gemälzter und roher Gerste. Diese Zusammenführung macht den Whiskey besonders würzig und verursacht am Gaumen eine wahre Geschmacksexplosion.

Bekannte Vertreter sind der Teeling Small Batch oder der Green Spot aus der Midleton Brennerei.

Für eine gesamte Darstellung der Whiskybrennereien und mehr Informationen klicken Sie bitte hier:
Die Whiskeybrennereien in Irland