Nach dem ersten optischen Eindruck kann nun dazu übergegangen werden, die aromatische Vielfalt des Whiskys zu Erforschen. Dazu wird der Whisky vorerst nur gerochen.

Bereits durch den Geruch kann ein Whisky eine sehr ausführliche Geschichte über seinen Charakter erzählen. Um das perfekte Geruchserlebnis zu erhalten gibt es einige kleine Tricks um die Aromen zu intensiviere.

Die Aromen aktivieren

Nach der ersten Begutachtung durch das Glas, kann nun damit begonnen werden die Aromen im Whisky zu aktivieren. Dazu nimmt man das Whiskyglas und schwenkt es zwei bis drei Mal kräftig hin und her. So werden die Aromen im Whisky aufgewirbelt und können besser an die Luft im Glas abgegeben werden.

Damit ein Whisky sein volles Aroma entfalten kann, wird empfohlen ihn bei Zimmertemperatur zu verkosten. Gerade bei der Geruchsbeurteilung ist die Temperatur sehr wichtig.

Sollte der Whisky im Glas nicht sein volles Aroma entfalten, so kann das Glas mit den Händen umschlossen und der Whisky dadurch leicht erwärmt werden. Dieser kleine Trick kann manchmal wahre Wunder bewirken.

Wie bereits erwähnt (siehe Fragen zum Genuss)wird von vielen Whiskyexperten die Meinung vertreten, dass durch die Zugabe von einigen Tropfen Wasser noch mehr Aromen im Glas freigesetzt werden können.

Die Umgebung

Um Whisky mit all seinen Aromen ganz in der Nase aufnehmen zu können, muss auch die Umgebung beim Whiskyverkosten stimmen. Der Raum sollte so gut es geht frei von anderen störenden Gerüchen sein.

Keinesfalls sollte man vor der Verkostung eines Whiskys geraucht haben. Zigaretten oder Zigarrenrauch stören nicht nur das Geruchserlebnis, sondern haben auch generell einen negativen Einfluss auf unsere Geschmacksknospen. Von den gesundheitlichen Auswirkungen abgesehen.

Werden mehrere Whiskys verkostet, so empfiehlt es sich zwischen den einzelnen Whiskys einige Atemzüge an der frischen Luft zu machen und einen Schluck Wasser zu nehmen. Das reinigt die Geschmacks- und Geruchssensoren und macht sie wieder frei für neue Aromen.

Bei der Teilnahme oder Durchführung eines Whisky Tastings empfiehlt es sich, auf die Reihenfolge der zu verkostenden Whiskys zu achten. Man sollte sich dabei bei leichteren und milderen Whiskys beginnen und sich zu den schweren und gehaltvollen bis rauchigen Whiskys vortasten.

Der weltberühmte Whiskyexperte Jim Murray empfiehlt in seiner jährlich erscheinenden Whisky Bible, vor der Verkostung einen kleinen Espresso zu trinken. So sollen die Geschmacks- und Geruchsknospen neutralisiert, gereinigt und bereit für die Whiskyaromen gemacht werden.

Der erste Atemzug

Zur Aromabewertung durch die Nase wird das Glas bis knapp über die Lippe geführt und ein ganz normaler Atemzug genommen. Dabei kann das Glas ein bisschen schräg gehalten werden. Die Nase sollte dabei nicht im Glas verschwinden sondern immer über dem Glasrand bleiben.

Die Aromen des Whiskys sollen zur Nase kommen und diese umspielen. Dabei wird ganz normal weiter geatmet. Ein zu kräftiger Atemzug kann die Aromen zu schnell durch die Nase befördern und die Aromen quasi durch den Geruchsgang „hinunterspülen“.

Der Geruch

Nun können zum ersten Mal die Aromen den Whiskys wahrgenommen werden. Dabei offenbaren sich ebenfalls die ersten charakterlichen Eigenschaften. Der erste sinnliche Eindruck entsteht. Es kann nun zuerst zwischen wohlriechend, rund, voll, aromatisch, würzig, prickelnd, mild, stechend oder gar rauchig unterschieden werden.

Diese Aufzählung ist selbstverständlich nur beispielhaft gewählt. Jeder Mensch ist individuell verschieden und wird dem Whisky dementsprechend andere Geruchscharakteristika zuweisen. Abhängig von den bisherigen Erfahrungen werden auch unterschiedliche Assoziationen mit dem Whisky verbunden werden.

Der Geschmack 

Um den vollen aromatischen Geschmack aus einem Whisky zu bekommen, ist es ratsam den genommenen Schluck so gut es geht im gesamten Mund zu verteilen. Zuerst nimmt man dabei den Geschmack der Zunge wahr.

Streng genommen kann die Zunge selbst nur vier verschiedene Geschmäcker unterscheiden. Im vorderen Teil der Zunge schmecken wir süß, in der Mitte bitter und salzig und am hinteren Ende werden bittere Geschmacksstoffe wahrgenommen.

Die Geschmacksknospen für Bitterkeit befinden sich aus gutem Grund am hinteren Ende der Zunge. Sie dienen als letzte Warnsensoren, damit, falls etwas bitteres beziehungsweise giftiges gegessen wird, dieses nicht hinuntergeschluckt wird.

Wenn nun aber nur vier Geschmacksrichtungen über die Zunge wahrgenommen werden können, wie entstehen, dann die vielen verschiedenen Aromen beim Genuss von Whisky?

Der Mensch riecht um vielfaches besser als er schmecken kann. Unser Mund verfügt über knappe 9000 Geschmacksknospen, während hingehen unsere Nase über 50 – 100 Millionen Geruchsrezeptoren verfügt.

Das bedeutet, die aromatische Vielfalt wird im Wesentlichen durch die Nase gebildet. Genau gesagt, ist dafür das olfaktorische Epithel, also die Riechschleimhaut verantwortlich. Diese befindet sich im hinteren, oberen Bereich unserer Nasenhöhle.

Machen Sie ein kleines Experiment. Halten Sie sich während der Verkostungs eines Whiskys die Nase zu. Sie werden merken, dass plötzlich von den ,sonst so wunderbar wahrgenommenen, Aromen nicht mehr viel übrig bleibt.

Die Aromenvielfalt 

Durch dieses organoleptische Zusammenspiel von Geruch und Geschmack entstehen in unserem Gehirn viele verschiedene Assoziationen mit bereits kennengelernten Aromen.

Beispielhaft können hier Aromanoten von Honig, Zitrusfrüchten, Rauch, Torf, süßen Früchten, Schokolade, Mandeln, Äpfeln, tropischen Früchten, Vanille, Karamell oder Salz genannt werden.

Menschen sind von Natur aus unterschiedlich. Deshalb werden Menschen auch verschiedene Aromen in ein und demselben Whisky entdecken.

Die Beschreibung von Aromen im Whisky soll durch sogenannte Aromaräder vereinfacht werden. Sie sind ein Instrument um die Sprache in der Whiskybewertung zu systematisieren und zu vereinheitlichen.

Von den Profis lernen

Whiskyprofis beachten bei ihren Verkostungen noch eine ganze Menge mehr. So decken sie zum Beispiel ihre Tastinggläser mit Deckeln ab oder verwenden eigene abdeckbare Gläser um den Kontakt mit Luft nicht unnötigerweise zu verstärken.

Anders als zum Beispiel Wein benötigt Whisky keine zusätzliche Luft um sein volles Aroma zu entfalten. Whisky gibt seine vollen Aromen an die Luft ab und verteilt sie dort. Um diese nicht unnötig an die Luft zu verlieren und sie im Glas zu konzentrieren decken beinahe alle Whiskyprofis ihre Gläser ab.

Unser Tipp

Versuchen Sie einmal ihr Whiskyglas mit der flachen Hand zuzudecken. Nun warten Sie einige Sekunden, öffnen das Glas und nehmen direkt einen Atemzug aus dem Glas.

Sie werden begeistert sein welches volle Aroma Ihnen dabei entgegen strömt. Verkosten Sie gerade mehrere Whiskys, so können Sie die gerade beiseite gestellten Whiskys mit Bierdeckeln zudecken.