Ist von amerikanischem Whiskey die Rede, so denkt man wahrscheinlich an Whiskeymarken wie Jack Daniel’s und Jim Beam. Sie sind sicherlich die berühmtesten Whiskeyhersteller der USA. Doch neben diesen zwei Giganten hat sich eine beachtliche Whiskeylandschaft entwickelt.

Die Whiskeyproduktion erstreckt sich mittlerweile über die gesamten Vereinigten Staaten von Amerika.Die USA zählen heute zu den zehn größten Whiskeyherstellern der Welt.

Von Washington bis Virginia wird heute, quer über das ganze Land verteilt, amerikanischer Whiskey hergestellt. Dabei entwickelten sich nicht nur regionale Unterschiede, sondern es entstanden ebenso eigenständige Whiskeysorten wie der weltberühmte Bourbon oder Tennessee Whiskey.

Die kurze Geschichte des amerikanischen Whiskeys 

Die amerikanische Whiskeygeschichte wird von einigen historisch höchst bedeutsamen Ereignissen geprägt. Das ist insofern bemerkenswert, da die Historie, im Vergleich zu der des schottischen Whiskys, nicht so weit in die Vergangenheit ragt.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts brachten schottische und irische Immigranten ihr hart erarbeitetes Fachwissen rund um ihr Nationalgetränk mit in die USA. Langsam entwickelte sich eine überschaubare Anzahl an Whiskeybrennereien, die sich nach und nach über das ganze Land verteilte.

Um 1818 schrieb der Brennmeister Harrisson Halls aus Philadelphia ein richtungsweisendes Buch über die Herstellung von Whiskey nach amerikanischen Vorstellungen. Darin beschrieb er erstmals die Verarbeitung von anderen Getreidesorten als Roggen und Gerste. Geschmacklich besonders gute Ergebnisse habe er dabei mit Mais gemacht.

Bis dahin dominierten hauptsächlich Whiskeys aus Roggen den amerikanischen Whiskeymarkt. Er sprach in seinem Buch außerdem die Empfehlung aus, den Roggenanteil auf maximal 25% herunterzusetzen und mit Whiskey aus Mais zu vermischen. Anschließend sollte der Whiskey in amerikanischen Weißeichenfässern gelagert werden.  

Erst knappe drei Jahre später wurde man auf diese neue Art Whiskey herzustellen aufmerksam. Im Bundesstaat Kentucky berichtete eine Zeitung aus dem Bourbon County über diesen neuen Whiskey. Die Fachwelt bezeichnet dies als die Geburtsstunde des Bourbon Whiskeys.

Als Resultat auf diese bahnbrechende Werbung konnten sich die Whiskeyhersteller kaum vor Aufträgen zur Herstellung dieses neuen Whiskeys retten und die Produktion begann zu florieren. Relativ rasch breiteten sich Whiskeybrennereien über die gesamten USA aus.

Viele neue Brennereien entstanden und die Herstellung lief auf Hochtouren. Durch die relativ rasch einsetzende Überproduktion fielen die Preise für Bourbon Whiskey und wurde für die breite Bevölkerungsmasse leistbar. Die Whiskeyindustrie wurde zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor.

Die Prohibition 

1929 verabschiedete der amerikanische Kongress ein Gesetz, das ein flächendeckendes Alkoholverbot  einführte. Die bis dahin aufstrebende Whiskeyindustrie brach ein. Beinahe alle Whiskeybrennereien mussten ihre Werke schließen. Nur einige wenige konnten das Verbot umgehen und behielten ihre Brennlizenz um Alkohol für den medizinischen Gebrauch herzustellen.

Aus mangelnden Staatseinnahmen und daraus resultierender Geldnot war es der amerikanischen Regierung nicht möglich alle Grenzen der Vereinigten Staaten ordnungsgemäß auf die Einhaltung des Alkoholeinfuhrverbotes zu kontrollieren. Als Konsequenz entwickelte sich rasch ein florierender Alkoholschmuggel, der maßgeblich an der Etablierung eines riesigen Alkoholschwarzmarktes beitrug.

Abgesehen vom Alkoholschmuggel begann auch das Brennen von illegalem Alkohol stark zuzunehmen. In riesigen Badewannen wurde Alkohol hergestellt. Die entstandenen Destillate waren oft so gesundheitsschädlich, dass sie Erblindungen und Lähmungen zur Folge hatte. 

Während der großes Wirtschaftskrise um 1929 wurde die Prohibition immer unbeliebter und führte zu immer mehr Spannungen innerhalb der Gesellschaft. Als der Druck auf Franklin D. Roosevelt zu groß wurde, hob er die prohibistischen Gesetze im Jahr 1933 wieder auf.

Die Whiskeyproduktion konnte also wieder anlaufen. Die Erholung des Whiskeymarktes ging jedoch nur sehr schleppend vor sich.

Genau betrachtet hat die Prohibition Auswirkungen bis heute. In Kentucky darf zum Beispiel in Brennereien kein eigens produzierter Whiskey ausgeschenkt werden. Im Bundesstaat Tennessee darf erst seit 1995 in Brennereien wieder Alkohol verkauft werden.

amerikanischer whiskey
Bourbon Fässer der Brennerei Woodford Reserve aus Versailles, Kentucky.

Wie bereits erwähnt haben sich in den USA sowohl regionale Unterschiede, als auch ganz eigene Whiskeysorten entwickelt, die heute weltweit bekannt sind.

Straight Whiskey

Amerikanischer Whiskey wird hauptsächlich aus Roggen, Weizen, Gerste oder Mais hergestellt.

Als Straight Whiskey wird jener Whiskey definiert, der mit maximal 80% Vol. Alkohol gebrannt wird und zu Beginn der Lagerung maximal 62,6 % Vol enthält. Außerdem muss er mindestens 2 Jahre in Eichenfässern lagern. Der Straight Whiskey darf nicht mit Farbstoff versetzt werden.

Tennessee Whiskey

Der wohl bekannteste Vertreter des amerikanischen Whiskeys kommt aus Tennessee. Genauer aus dem kleinen Städtchen Lynchburg. Die Marke trägt den weltweit berühmten Namen Jack Daniel’s.

Seit 1941 ist der Tennessee Whiskey in der Whiskeyfachwelt als eigene Whiskeysorte anerkannt.

Tennessee Whiskey unterscheidet  sich durch eine speziellen Arbeitsschritt während der Produktion von anderen amerikanischen Produktionen. 

Der Whiskey durchläuft dabei vor der Abfüllung ein besonderes Verfahren. Er wird vor der Befüllung der schweren Eichenfässer durch einen Filter aus Holzkohle gepumpt. Durch diese besondere Filtermethode sollen dem Whiskey unerwünschte chemische Stoffe, sowie Bitterstoffe entzogen werden.

Durch diese Filterung soll dem Whiskey ein besonders ausgeglichener Charakter verliehen werden. Der Holzkohlefilter wird aus Zuckerahorn, die in Nordamerika stark verbreitet ist, hergestellt. Dieses von Jack Daniel’s entwickelte Verfahren wird in der Fachsprache als „Lincoln County Process“ oder „Charcoal Mellowing“ bezeichnet.

Erst durch dieses einzigartige Verfahren konnte sich der Tennessee Whiskey als eigene Whiskeysorte anerkannt werden und sich auf dem Weltmarkt etablieren. Diese Methode ist rechtlich streng geschützt und darf nur bei der Herstellung von Tennessee Whiskey angewandt werden.

Eine Abfüllung aus nur einem Fass – Jack Daniel’s Single Barrel

Kentucky Whiskey 

Jedem Whiskeyliebhaber ist amerikanischer Bourbon Whiskey ein Begriff. Doch nicht jeder weiß, dass Bourbon Whiskey ursprünglich aus dem Bourbon County in Kentucky stammt.

Das Bourbon County wurde nach dem französischen Königsgeschlecht der Bourbonen, als Dank für die französische Hilfe im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, benannt. Kritische Stimmen gehen jedoch davon aus, dass der Bourbon nach der Bourbon Street in New Orleans benannt wurde.

Die Herstellung des weltberühmten Kentucky Bourbon verteilt sich auf Brennereien in den Städten Bardstown, Clermont, Frankfort, Lawrenceburg, Loretto, Louisville und Versailles.

Ein Kentucky Straight Bourbon aus dem Hause Jim Beam

Virginia Whiskey

Mais- und Weizenanbau sind in Virginia bedeutende Wirtschaftsfaktoren. Trotz dieser guten Vorraussetzungen für die Herstellung von Whiskey, ist der Bundesstaat an der US-Ostküste nicht unbedingt für seine Whiskeyproduktion bekannt.

Historisch betrachtet ist Virginia jedoch von ganz besonderer Bedeutung für die amerikanische Whiskeygeschichte. Zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs wurde hier mehr Bourbon Whiskey produziert als in der heutigen Whiskey-Hochburg Kentucky.

1797 produzierte George Washington in Virginia Whiskey aus Roggen und Mais. Durch seine historischen Aufzeichnungen wurde seine Whiskeybrennerei auf dem Gelände von Mount Vernon mit großer Liebe fürs Detail restauriert und wieder in Betrieb genommen.
(Siehe auch hier: George Washington’s Whisky)

 

Hier finden sie eine detaillierte Auflistung der bedeutendsten amerikanischen Whiskeybrennereien:
Die Whiskeybrennereien in Amerika

 

 

 

 


 

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